Beate Rygiert - Die Eroberung des Himmels

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eBook

VerlagDroemer Knaur
ErschienenNovember 2010
ASINB004WPH2IM
Seitenanzahl464
Preis6,99 €

Inhaltsangabe

Auf Menschen ist einfach kein Verlass, findet Caroline, und darum schenkt die junge Gärtnerin ihre ganze Liebe ihren Farnen. Auch der erfolgreiche Werber Gregor ist ein Einzelgänger. Als er die Urne mit der Asche seines Patenonkels erbt, muss er dessen letzten Wunsch erfüllen. Gregor begibt sich auf eine Reise ins Ungewisse, bei der sich seine Wege immer wieder mit denen von Caroline kreuzen.

Leseprobe

Sechsundzwanzig Jahre war meine Mutter tot. Dann schrieb sie eine Postkarte.
„Wie geht es Dir? Was macht die Kleine? Über Pfingsten bin ich in Deutschland. Vielleicht schau ich mal vorbei. A.“
Auf der Vorderseite eine felsige Küstenlandschaft mit viel stürmischem Himmel darüber. Eine französische Briefmarke.
Ich stehe mitten in meinem Gewächshaus, die Etiketten der Firma kleben noch auf den Glasscheiben, es ist ein blitzblanker Morgen im März, die Sonne fingert sich hartnäckig durch die Wedel der Dicksonia brasiliensis, deren schneckenförmige Triebe ich gerade mit Wasser und Nährlösung besprüht habe, überall der hellgrüne Widerschein meiner Pflanzenwelt, in der ich es mir all die mutterlosen Jahre prächtig eingerichtet habe, all die Jahre, in denen mein Vater mir erzählte, sie sei gestorben, gleich nach meiner Geburt, und das mit einem solchen Weh in der Stimme und Schmerz in den Augen, dass ich nur ganz selten gewagt habe, nach dieser Mutter zu fragen, –¬ sie ist tot und mehr gibt es nicht zu erzählen, sagte mein Vater. Jetzt steht er dort zwischen meinen Farnen, mit eingezogenen Schultern und hängendem Kopf, zu feige, um mir in die Augen zu sehen, ein Lügner, mehr nicht.
Und ihn habe ich einmal so bewundert.
Nein, das kann nicht wahr sein, das ist ein Scherz, wenn auch kein besonders guter, das ist unmöglich, so schnell steht eine tote Mutter nicht auf aus ihrem Grab. Überhaupt, fällt mir ein: Dieses Grab, an das er mich führte, als ich doch einmal nach ihr fragte, der verschlungene Namenszug auf grauem Stein, darüber ein Engel mit Palmzweig, AN-GE-LA, entzifferte ich damals. Ich war sechs Jahre alt und gerade dabei, die Welt der Buchstaben zu erobern. Angela, sagte mein Vater, von dem ich damals noch nicht wusste, dass er ein Lügner ist, das heißt Engel. Ich betrachtete die Figur auf dem Stein genau, von da an hatte meine Mutter ein Gesicht.
Aber es ist kein Scherz. Mein Vater, der Lügner, findet endlich seine Stimme wieder, redet und fuchtelt mit den Händen, der Schweiß läuft ihm von der Stirn, und das liegt nicht allein am tropischen Klima, das meine Farne zum Leben und Wachsen brauchen. Er redet und redet, und keines seiner Worte dringt in mein Bewusstsein, ich sehe seine ängstlich huschenden Augen, seine fahrigen Bewegungen, betrachte ihn wie einen Fremden und stelle fest: Er ist alt geworden, das Haar farblos und dünn, die Züge schlaff. Sebastian Nadler, denke ich, Professor der Anthropologie, spezialisiert auf Totenkulte, Schwarm aller Studentinnen, Star jedes Symposiums, internationale Koriphäe in Sachen Grablegung, strahlender Held von Kyros und Nephtalos – im Grunde bist du nichts anderes als ein Versager. Und wie er so immer weiterredet, von einem Bein auf das andere tritt und wortreich versucht zu erklären, was nicht zu erklären ist, nicht in Hunderten von Jahren, denke ich: Auch du wirst dich eines Tages hinlegen und sterben, und dann werden wir dich in ein Grab legen – aber glaube bloß nicht, dass ich kommen werde, wie ich heimlich an das Grab mit dem Engel gelaufen bin, eine frische Blume in der Hand, später kleine Pflanzen, die ich einbuddelte und dann rasch davonlief, als hätte ich kein Recht, das zu tun. Dass ich tatsächlich kein Recht dazu hatte, das sehe ich nun klar und deutlich ein. Wer zum Teufel war diese Angela in dem Grab, unterbreche ich ihn mitten in seinem Redestrom.
Welches Grab, fragt da mein Vater, der Lügner. Ja. Er sagt wirklich: Welches Grab. Er kann sich tatsächlich nicht erinnern.
Geh nach Hause, sage ich. Erzähl deine Lügen anderswo. Vielleicht finden deine Studentinnen sie ja irgendwie charmant.

Später sitze ich in meinem grünen Lieferwagen und kämpfe mich durch den Verkehr in Richtung Innenstadt. Ich fluche und schimpfe und haue mit der Faust auf die Hupe, da sich vor mir wieder einmal die Autos ineinander verknäulen und keiner dieser elenden Blechbüchsenfahrer bereit ist, auch nur einen Millimeter nachzugeben, stur auf seinem Vorrecht besteht, bis sie schließlich aussteigen, die feinen Herren, ihre Anzugsjacken ausziehen, ordentlich auf den Beifahrersitz legen, die makellos weißen Hemdsärmel in aller Ruhe hochkrempeln, um sich eine Minute später die Nasen blutig zu schlagen. Alle anderen glotzen neugierig hinter ihren Scheiben hervor, da fühle ich, wie etwas in mir platzt, ganz still und leise, etwas, das über Jahre gewachsen ist, und ich steige ebenfalls aus, erwische einen der Kampfhähne am Arm und wirble ihn herum, mische mich ein, was ich in meinem ganzen Leben noch nie getan habe, bin auch noch nie so geschickt einem Haken ausgewichen, habe niemals, ich schwöre es, selbst mit der Faust zugeschlagen, und in der Millisekunde, bevor meine Rechte dieses fremde, erstaunte Gesicht trifft, verwandelt es sich in das Gesicht meines Vaters. Aber da kassiere ich selbst einen Schlag, der mich in die Realität zurückbringt, Mensch, tut das weh. Caroline, sag ich mir, du prügelst dich hier auf der Straße mit völlig fremden Menschen, doch es gibt kein Zurück mehr, und kurz darauf sitze ich auf der Polizeiwache, gemeinsam mit den beiden feinen Herren, und blute aus der Nase.
Das müssen Sie sich mal vorstellen, sage ich dem Wachtmeister. Sechsundzwanzig Jahre lang ist Ihre Mutter tot. Und dann schreibt sie Ihnen eine Postkarte.
In seinem Gesicht kann ich lesen wie in einem Buch: Entweder ich schick sie in die Psychatrie und hab eine Menge Scherereien, denkt er, oder ich lass sie laufen. Aus dem Nachbarraum klingt die Radioübertragung eines Fussballspiels. Er seufzt und schickt mich nach Hause.

Aber ich gehe nicht nach Hause. Ich wasche mir auf der Toilette des Reviers das Gesicht. Alles halb so wild, sage ich zu meinem Spiegelbild. Alles halb so wild. Du hast eine Mutter, was ist daran so schlimm? Jetzt setzt du dich in deinen Wagen und fährst zu dieser Werbeagentur. Schießlich hast du ein Geschäft.
Es ist mein erster großer Auftrag. Drei Fuhren Farne für eine Präsentation. Nicht verkauft, sondern vermietet. Vor zwei Wochen kam ein Mann in mein Gewächshaus, sah sich alles an und machte mir diesen Vorschlag.
Schreiben Sie uns ein Angebot, sagt er. Was es kostet, Ihre Pflanzen für drei Tage zu mieten. Sie bringen sie, stellen sie auf, holen sie wieder ab.
Wieviele Pflanzen sollen es denn sein, frage ich.
Er macht mit dem Arm eine vage Bewegung.
Alle. Und vielleicht noch ein paar mehr. Können Sie noch mehr auftreiben?
Klar konnte ich. Viel schwieriger war es, das Angebot zu schreiben. Zwei volle Abende schwitzte ich darüber. Dreimal schrieb ich es neu, und als ich es endlich abschickte, hatte ich das Gefühl, zu teuer zu sein und den Auftrag zu verlieren. Als das Angebot schon am nächsten Morgen unterschrieben und bestätigt durch mein Faxgerät lief, war ich mir sicher, ich hatte es doch zu niedrig kalkuliert.
Vollends überzeugt davon war ich, als ich die erste Ladung Farne an den Ort des Geschehens brachte. Die Basilika stand auf der rauchfarbenen Visitenkarte, die mir Arndt Godenflo, Artdirector, in die Hand gedrückt hatte. Und das war nicht gelogen, als ich die Farne anlieferte, fand ich mich vor einer veritablen Kirche. Innen allerdings war alles anders: Dort, wo einst die Gläubigen in stiller Andacht die Hand in das Weihwasserbecken tauchten und sich nach dem Gesangbuch umsahen, befindet sich heute ein Empfangsbereich mit Theken aus Edelstahl und Marmor. Zwei Mädchen, die auch auf einem Laufsteg eine gute Figur machen würden, lächeln dem Besucher entgegen. Dahinter öffnet sich der Blick in ein gewaltiges Kirchenschiff. Purpurrote und ultramarinblaue Glasfenster bündeln hoch oben das Licht und lenken es auf einen Fußboden aus cremefarbenem Travertin. In den Seitenschiffen schweben gläserne Kästen wie Aquarien, darin tummeln sich bunte Menschen. Dort, wo früher einmal der Altar stand, befindet sich der größte Flachbildschirm, den ich je in meinem Leben gesehen habe, dahinter im Chor eine Wand aus Monitoren, auf denen Bilder rhythmisch wechselten, Symmetrien bildeten, sich zu einem einzigen, riesigen Bild zusammenfügten, um dann wieder auseinanderzufallen in Wogen und Wellen.
Willkommen in der Basilika von „Schmidt-Hoss & Beer“, begrüßte mich Arndt Godenflo. Haben Sie die Farne dabei?

Vor drei Tagen also verwandelte ich dieses Kirchenschiff in eine grüne Oase. Ein ganzes Heer hilfreicher Geister errichtete unter meiner Anleitung Podeste, die ich so arrangierte und bepflanzte, dass man die Aufbauten darunter nicht mehr erkennen konnte. An Stahlseilen befestigte ich große Arrangements, die von der Decke herabgelassen wurden, so dass es am Ende aussah, als sei über Nacht ein Urwald in die Kirche hereingewuchert und hätte sich dieses riesigen Raumes bemächtigt.
Achten Sie unbedingt auf das Raumklima, schärfte ich Arndt Godenflo ein und erklärte ihm die Handhabung der vier Luftbefeuchter. Und die richtige Temperatur. Sonst lassen die alle morgen schon die Wedel hängen.
Was es genau mit der Präsentation auf sich hat, habe ich nicht herausbekommen. Ich sah eine Weile zu, wie eine theatertaugliche Beleuchtungsanlage installiert wurde und hatte eine Idee. Und aus diesem Grund fahre ich jetzt schon zur Basilika, und nicht, wie vereinbart, erst heute Abend: Heimlich, still und leise werde ich von der Empore aus ein paar Fotos machen, und bevor ich eine abschlägige Antwort erhielt, fragte ich lieber gar nicht erst um Erlaubnis, mich bekommt ohnehin niemand zu sehen, denn hinter der Sakristei entdeckte ich eine Treppe, die seitlich hinauf zur Empore führt ...
Auf die Idee, eine Werbeagentur in einer Kirche zu betreiben, muss man erst einmal kommen, denke ich, als die Fassade vor mir auftaucht. Heute blinkt es im Hof nur so von edlen Karossen. Keine Chance für meinen Lieferwagen. Ich umkreise die Kirche, finde schließlich einen passenden Parkplatz. Dann biege ich den Rückspiegel zurecht und starre in mein Gesicht. Unter der Nase blüht eine leichte Schwellung auf.
Du hast eine Mutter, sage ich stumm zu meinem Spiegelbild, all die Jahre hattest du eine Mutter und wusstest es nicht. Eine wilde Freude wirbelt in mir auf, reißt an meinen Innereien, lässt sich dann direkt unter meiner Kehle nieder und verwandelt sich in einen stechenden Schmerz. Ich presse die Augen zusammen, sehe die Brandung an einer felsigen Steilküste, darüber in ausladender Schrift: „Wie geht es Dir, was macht die Kleine …“
Angela. All die Jahre hat sie sich nicht für mich interessiert. Was ist von einer solchen Mutter zu erwarten?

Die digitale Kamera in der Hosentasche schleiche ich mich in das Allerheiligste der Werbewelt ein, durch den Lieferanteneingang in die Sakristei, höre wummernde Discomusik, Lachen und Stimmengewirr. Davon haben Organisten früherer Generationen wohl kaum geträumt auf ihrem Weg die Wendeltreppe hoch zur Orgel. Oben ducke ich mich rasch hinter eine Säule, denn dort, dem Altarraum genau gegenüber, steht ein Mann, aufrecht und ernst, und betrachtet die Szene unten im Kirchenschiff in der Haltung eines Kapitäns, der auf der Brücke seine Mannschaft überwacht. Ganz still steht er da, dann gibt er sich einen Ruck und verschwindet.
Ich spähe hinunter, gleite in der Deckung der Säulen voran auf der Pirsch nach dem besten Blickwinkel, komme mir vor wie James Bond beim Eindringen in die Höhle des Bösewicht, bis mir klar wird, dass meine Kamera diesem Kirchenschiff in seiner Tiefe und Weite bei der spärlichen Beleuchtung nicht gewachsen ist. Auf dem Screen jedenfalls ist nicht mehr zu erkennen als eine grün gefleckte Schwärze.
Enttäuscht stecke ich sie in die Tasche meiner Jeans und lehne mich gegen einen viereckigen Kasten, von denen hier vier herumstehen. Zu sehen ist tatsächlich nicht viel. Rauchschwaden steigen zwischen den grünen Inseln auf, Mädchen mit so etwas wie Kleidern aus Farnwedeln balancieren neongrüne Getränke auf Tabletts, der Flachbildschirm zeigt Bilder von einer Getränkedose und punkig gekleideten Kindern, die in verdrehten Posen aus diesen Dosen zu trinken versuchen. Irgendwie beschleicht mich ein ungutes Gefühl, eine Vorahnung, ich nehme die Witterung auf, ja, da stimmt etwas nicht, die Luft hier oben ist trocken, viel zu trocken, wie es wohl meinen Farnen da unten geht? Um besser sehen zu können, lehne ich mich vor und erkenne die Gestalt von Arndt Godenflo, der etwas abseits mit dem Mann spricht, der eben genau an dieser Stelle hier stand. Er nickt, eilt weiter und gibt ein paar Zeichen. Und dann bricht der Teufel los, die Discorhythmen verdichten sich zu einem Song, ein Mann wirbelt durch die Pflanzen, springt auf eine besonders prächtige Dicksonia und beginnt zu singen, ein ziemlich dämliches Lied, „Gib dir den Dschungel, dschunga, dschunga“ oder so ähnlich, aber ich höre schon nicht mehr richtig hin, will zur Treppe rennen und stoße mir böse die Schienbeine an. Und erkenne, woran ich mich gelehnt habe, was nutzlos hier oben auf der Empore herumsteht. Es sind die Luftbefeuchter, die ich mit viel Mühe und für teures Geld ausgeliehen, eigenhändig eingestellt und diesem Idioten von einem Artdirector erklärt habe, und da unten stehen meine Farne wer weiß wie lange schon in einem absolut schädlichen Klima, eingeräuchert und misshandelt.

Zum zweiten Mal an diesem Tag sehe ich rot. Ich stürze die Treppen hinunter, bin schon mitten im Getümmel, hab nur eines im Auge: meine Pflanzen zu retten, denn wenn ich mich auf etwas verlassen kann in diesem Leben, das zeigt dieser Tag wie kein anderer, dann sind es meine Farne, Mondraute, Adlerfarn, Engelsüß und Hahnenkamm, und ich werde nicht zulassen, dass diese Verrückten sie umbringen, auf ihnen herumturnen, ihre Kippen an ihren Rhizomen ausdrücken, sich auf die Triebe setzen, was kann ich dafür, dass in dieser Veranstaltung die Bestuhlung fehlt, aber ich komme zu spät, der Schaden ist enorm, eingerollte und vertrocknete Spitzen, geknickte, ja, sogar abgerissene Zweige, Glasscherben zwischen neonfarbener Limonade in den Wurzelstöcken, und dieser Idiot trampelt auf der Dicksonia herum, als wäre sie Unkraut. Sie versuchen mich von ihm wegzuzerren, aber ich wehre mich, meine Farne können sich nicht wehren, aber ich schon, das bekommt er zu spüren, dieser verdammte Kerl, Artdirector, was?! Aber es werden immer mehr, eine Tür schließt sich hinter mir, und ich sitze in der Sakristei.
Wie aus dem Boden gewachsen steht er dort. Der Mann von der Empore.
Und wer ist das?
Angriff ist die beste Verteidigung. Sagt man.
Arndt, sagt der Kerl mit einer Stimme, so ruhig, so unbeteiligt, als sei ich gar nicht da. Sei doch so nett und bring die Dame in mein Büro.
Und ist auch schon weg.
Wer das ist, sagt Arndt Godenflo feierlich, als hätte der Papst persönlich vorbeigeschaut. Er reicht mir ein Taschentuch. Erst da merke ich, aus meiner Nase läuft schon wieder Blut.
Das ist Gregor Beer.
Als sei damit alles gesagt.

Diese Art von Wichtigtuern – ich kann sie nunmal nicht leiden. Papst Gregor hat sich doch tatsächlich sein Büro hoch oben im Kirchturm eingerichtet, ein quadratischer Raum mit Panoramafenstern in alle vier Himmelsrichtungen, das Gebälk freigelegt und über allem eine riesige Glocke – ein Raum, der beeindrucken, ja, einschüchtern soll, auch mich fast beeindruckt hätte, wäre ich nicht so zornig, und als diese kühlen Augen mich neugierig taxieren, da packt mich der blanke Hass. Ein Wort gibt das andere, und dann wedelt er mit diesem Scheck herum, glaubt tatsächlich, mit Geld die Sache aus der Welt schaffen zu können, ganz wie mein Vater all die Jahre, verreist an Weihnachten, Ostern und natürlich an meinem Geburtstag, irgendwo in Kleinasien oder Nordafrika oder sonstwo beschäftigt, eine Grabstätte auszubuddeln mit irgendwelchen attraktiven Doktorandinnen, und alles, was ihm einfiel, um mich zu trösten, waren Schecks mit astronomischen Summen. So wie dieser hier, den er mir entgegenhält, dieser Gregor Beer, verdient haben Sie es nicht, erdreistet er sich auch noch zu sagen, nachdem Sie fast unsere Präsentation ruiniert haben, mit dieser Stimme, so kalt und ruhig, hier, nehmen Sie diesen Scheck. Kaufen Sie sich was Schönes! Hat er das gesagt oder hab ich es geträumt? Und vielleicht ist es genau dieser Satz, der meine Sicherungen durchbrennen lässt, kauf dir was Schönes, als hätte er sich mit meinem Vater, dem Lügner, abgesprochen, der genau diesen Satz auch immer sagte, kauf dir was Schönes, Kleine, als könnte das den Schaden ersetzen, den Schmerz stillen, und dann tue ich etwas, was ich vorher noch nie, aber an diesem Tag schon zweimal getan habe: Ich balle die Faust und fahre mit ihr nach vorn, noch während dieser Bewegung weiß ich, dass es ein Fehler ist, weiß, dass das vor mir nicht das Gesicht meines Vaters ist, weiß aber auch ganz genau, dass ich niemals in das Gesicht meines Vaters schlagen könnte, sei er nun ein Lügner oder nicht, aber in dieses schmale, arrogante und doch so verdammt attraktive Gesicht kann ich meine Faust plazieren, und das tue ich dann auch, direkt auf die Nase, es gibt ein trockenes Knacken, und da ist es auch vorbei mit seinem Hochmut: Papst Gregor klappt zusammen und geht zu Boden.