Heike Schulz - Anpfiff dritte Halbzeit

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Taschenbuch

VerlagSchwarzkopf & Schwarzkopf
ErschienenApril 2014
ISBN-139783862653461
Seitenanzahl219
Preis14,95 €

Inhaltsangabe

Gewissenhaft geht Veit seiner Ausbildung zum Schreiner nach, züchtet voller Hingabe Kaninchen und kann die fantasievollsten Kunstwerke aus einem Stück Holz schnitzen. Zumindest unter der Woche. Samstags ist Veit ein anderer. Dann wird er zum Schläger und trifft sich mit seinen Kameraden des »Injury Time Cologne« jenseits des Fußballplatzes, um sich mit gegnerischen Hooligans zu prügeln. »Dritte Halbzeit« nennen die Jungs diese Zusammenkünfte, und so manche gegnerische Flagge, die die Stammkneipe des ITC schmückt, geht auf Veits Konto. Obwohl Veit stets darauf achtet, keine Außenstehenden mit in ihre Prügelorgien hineinzuziehen, lässt sich das nicht immer vermeiden. So auch an jenem Abend, als der ITC eine verfeindete Hooligangruppe aufmischt und ein unbeteiligter junger Mann zu Schaden kommt. Veit plagt das Gewissen, doch er verdrängt den Vorfall und widmet sich lieber Lara, der jungen Cellistin, die er auf der Heimfahrt in der S-Bahn kennenlernt. Dass er ein Hooligan ist, verschweigt er. Sie tauschen Telefonnummern aus, verabreden sich und schon wenig später entwickelt sich eine zarte Liebe. Eine Liebe, auf der ein Schatten liegt, denn Laras Sorgen gelten Laurien, ihrem 19-jährigen Bruder, der in der Nacht ihres Kennenlernens mit schweren Kopfverletzungen in der Altstadt aufgefunden wurde und seitdem im Koma liegt. Niemand weiß, woher seine Verletzungen stammen und ob er je wieder aufwachen wird. Zunächst sieht Veit keinen Zusammenhang zwischen Lauriens Koma und dem Zwischenfall bei der Prügelei, doch als die Ärzte massive Schläge auf den Kopf als Ursache für Lauriens Zustand ausmachen, fürchtet er, dass womöglich der ITC und somit auch er selbst dafür verantwortlich sein könnten. Er gerät in einen immer größer werdenden Gewissenskonflikt: Kann er Lara die Wahrheit sagen, ohne sie zu verlieren? Und wie weit würden seine Kameraden gehen, wenn er den Schwur bricht?

Leseprobe

Ich weiß nicht, woran meine Eltern gedacht haben, als sie vor siebzehn Jahren einen Namen für ihren Sohn suchten. Vielleicht haben sie auch einfach nur blind in ein Vornamenbuch getippt, aber ihre Wahl hätte nicht treffender sein können. Veit. So heiße ich, und das bin ich auch. Ein Fighter, wie Wayne Rooney. Nicht dass ich selbst Fußball spiele, ich gucke mir die Spiele lieber an. SC Germania Köln 09, das ist mein Verein. Der hält sich zwar nur mit Mühe in der 2. Liga, aber das ist egal. Viel wichtiger ist sowieso, was in der dritten Halbzeit stattfindet. Dann gibt es ordentlich Beulerei. Meine Jungs vom Injury Time Cologne und ich sind die Macht im Sektor. Keine andere Hooligangruppe zieht so viele gegnerische Fahnen und Banner wie wir. Konrad sagt zwar immer, dass ich derjenige bin, dem der ITC die meisten Trophäen zu verdanken hat, aber das spielt keine Rolle. Klar macht es mich stolz, wenn unser Anführer mich lobt, aber es ist doch egal, wer die Fahne zieht. Wir alle sind Brüder, einer für alle, alle für einen, und am Ende zählt doch nur das Ansehen des ITC.