Julia Fischer - Die Galerie der Düfte

Verfügbare Formate

Taschenbuch

VerlagKnaur
ErschienenJanuar 1970
ISBN-139783426653845
Seitenanzahl320
Preis14,99 €

Inhaltsangabe

Die junge Apothekerstochter und Inhaberin eines Ladens für Naturkosmetik reist auf den Spuren eines legendären Parfums nach Florenz und stößt dort in der Officina Profumo di Santa Maria Novella nicht nur auf ein gut gehütetes Geheimnis ihrer Mutter. Sie lernt auch zwei ungleiche Brüder kennen, die ihr Leben verändern: den zuverlässigen, immer etwas zu ernsten Luca - Geschäftsführer der Officina - und seinen Bruder Sandro, fast zu hübsch um wahr zu sein und als Parfümeur im Familienbetrieb ein gefeierter Künstler. Johanna verliebt sich in ihn, nur ist er nicht frei.

Leseprobe

In diesem Raum der Düfte, sakral und weltlich zugleich, mitten
in der gelebten Kunstgeschichte und steingewordenen Sehnsucht
aus Farben und Formen der Officina Profumo di Santa Maria
Novella fühlte sich Johanna zu Hause. Vielleicht war es die
gemeinsame Liebe zur Naturkosmetik, zu den lebendigen, lichten
Zutaten, die sie mit der Familie Fortini und ihrem Zauberreich
verband. Die Freude an der Schönheit und dem Luxus der kleinen
Dinge, die dem Auge schmeichelten, die Haut streichelten und
Glücksgefühle auslösten. Nur ganz kleine Dinge. Eine Mandelmilchseife
mit getrockneten Blüten, Wachsplättchen mit Raumdüften an einem
Satinband, ein Tiegelchen samtener Mimosencreme, süßer Rosenlikör …

… und doch war ihm das Veilchenblau von Johannas Augen
nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Er hatte tatenlos an
seinem Schreibtisch gesessen, alte Entwürfe verworfen und
dann die Kette einer neuen Duftassoziation gesponnen. Das
Feuer ihres roten Haares hatte ihn zu schweren Blütenaromen
inspiriert – Jasmin und Tuberose, zarte Gewächse mit betäubender
Aura, und dazu seltene Hölzer, Perubalsam, Benzoe und
Sandelholz, die ihren erdigen satten Geruch erst verströmten,
wenn man sie der Natur geraubt und sich gefügig gemacht hatte.
Duftkörper, die Sandro immer auf jenen schmalen Grat zwischen
Erregung und Abscheu führten, wo Leidenschaft und Erotik zu
finden waren. Und dabei war Johanna selbst wie ein Parfum,
das sich nicht gleich offenbarte. Fließende Emotion, Illusion,
Ambivalenz. Er hätte gern gespürt, wie es sich auf seiner Haut
entfaltete.