Silke M. Meyer - Lux & Umbra Der Pfad der schwarzen Perle

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Taschenbuch

VerlagSadWolf Verlag
ErschienenDezember 2014
ISBN-139783981712742
Seitenanzahl340
Preis12,90 €

eBook

VerlagSadWolf Verlag
ErschienenDezember 2014
ASIN9783981712
Seitenanzahl352
Preis5,49 €

Inhaltsangabe

*** Gewinnerin des Deutschen Phantastik Preises 2015 in der Kategorie "Bestes deutschsprachiges Romandebüt" ***

Zwei Welten, drei Liebende, eine schicksalhafte Prophezeiung.
Der fesselnde Kampf zwischen Gut und Böse.

Die junge Charlotte und ihr Sohn Mathis leben endlich frei und ungebunden. Plötzlich treten zwei faszinierende Männer aus einer anderen Welt in ihr Leben. Mit ihnen erscheint eine übernatürliche Macht, die sich dem Schutz unserer Welt verschrieben hat. Sie legt das Gleichgewicht von Gut und Böse in Charlottes Hände und stellt sie vor eine riskante Wahl. Das führt Charlotte auf neue, mystische Pfade.

Können die Erfüllung der geheimen Prophezeiung, die älter ist als die Zeit, und Charlottes Herzensentscheidung die Erde vor der Dunkelheit bewahren?

Könntest du bedingungslos auf dein Herz hören, wenn das Schicksal zweier Welten in deinen Händen läge?

Mit packender Wortgewandtheit nimmt Silke M. Meyer den Leser mit auf eine atemberaubende Reise in eine Parallelwelt voller Liebe und Magie. Begleitet von zauberhaften, mit magischen Fähigkeiten ausgestatteten Geschöpfen und viel Fantasie hinein in eine sagenumwobene Familiensaga, die durch vampirische Zeitreisen ihre Geheimnisse offenbart.

Leseprobe

Der Anfang

Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.

Aristoteles


Der Palast des Lichtes erstrahlte in vollem Glanz. Die Steinwände schimmerten perlmuttfarben in der Sonne und die roten Dächer bildeten einen Kontrast, den jedermann sofort wahrnahm. Prächtige Blumen leuchteten in allen Farben rings um das Schloss. Hoch rankten sie die blütenweißen Wände empor. Ein schmaler, von Steinen gepflasterter Weg führte von der Burg hinaus in das ausladende Land.
So weit das Auge reichte, sah man Wiesen, die weder gemäht noch gesichelt in ihrer totalen Natürlichkeit wuchsen. Hier und da standen einzelne Bäume und vollständige Wälder, die Geheimnisse einschlossen und manche von ihnen betrat man besser nicht.
Das Reich unterteilte sich in zwei verschiedene Hälften. Zum einen gab es die Liwanag Gilid, die Lichtseite, auf der alles Leben gedieh und sich prachtvoll entwickelte. Zum anderen gab es die Gilid Kadiliman, deren Boden karg war, auf denen sich nichts entfaltete, bis auf tödliche Pflanzen, die eine trügerische Schönheit bargen. An eben diesem Ort gab es Waldungen, die ihre knorrigen, fauligen Äste nicht gen Himmel streckten, sondern nach unten, um zu fassen, was sich im Erdreich bewegte. Nur selten drang die Sonne in diesen Teil des Landes vor. Überwiegend herrschte hier Nebel, und Dunkelheit breitete sich aus.
Ein langer Streifen Wiese zog sich als Grenze zwischen den beiden Landesteilen entlang.
Nahe selbiger Gestade, auf der Liwanag Gilid, erstreckte sich ein riesiger See, dessen Oberfläche silbern schimmerte. Niemand tauchte dort ein, denn jener See trug die Verbindung zur neuen Welt und ihren Bewohnern, ihren Sehnsüchten und Wünschen in sich.
Niemand – bis auf einen. Am Wasser stand ein junger Mann, der in gewisser Weise überaus ansprechend war. Die schulterlangen schwarzen Haare fielen tropfend auf seinen Rücken. Der muskulöse Körper steckte in fein gearbeiteter Kleidung, dessen feuchter Stoff sich eng an seinen Leib schmiegte. Blassgraue Augen schauten zu einer Frau, die in ein blendendes Licht gehüllt war und ihre Hände in die Hüften gestemmt hatte. Sein Kopf war zornig gesenkt. Um seine Füße wanden sich grauenerregende Kreaturen, die zischend zurückwichen. Eine unheilvolle Aura umgab ihn und seine dunklen Begleiter.
»Wie kannst du so skrupellos sein? Du bist wahnsinnig geworden!« Ihr blondes Haar fiel in weichen Wellen bis unterhalb ihrer Taille. Angesichts ihres Auftretens strahlte sie Stärke und Macht aus. »Es ist unsere Aufgabe, die Menschen der neuen Welt zu beschützen. Doch du dringst in ihre Träume ein, bringst Angst und Schrecken zu ihnen. Du lockst sie durch das Portal zu dir und verunstaltest sie mit deiner bösartigen Magie. Schau sie dir an, die Geschöpfe, die du geschaffen hast. Ich werde dies nicht länger dulden! Fortan wird dir nicht mehr möglich sein, über diesen Weg zu ihnen durchzudringen.« Der lichtdurchflutete Schein um sie herum begann zu pulsieren.
Wütend schnaufte der Mann und wich einige Fußbreit zurück. »Das wirst du nicht wagen! Wir sind gleichgestellt aus den beiden mächtigsten und andersgearteten Familien dieses Landes. Meine Macht und meine magische Kraft zählen gleichermaßen wie deine. Lass uns zusammenarbeiten, wie eh und je. Gemeinsam sind wir stark und niemand würde uns aufhalten können. Wir könnten die alte und die neue Welt beherrschen. Tauch ein in den See der Träume. Sieh dir einmal an, dass die Menschen nicht so perfekt auftreten, wie du glaubst. Sie besitzen ebenso grausige Sehnsüchte, welche die Taten erfordern, die ich ausübe.«
Mit zügigen Schritten ging die Frau nahe an den jungen Mann heran und flüsterte ihm mit strenger Stimme zu: »Du vergisst einen Unterschied zwischen uns. Ich bin eine weibliche Person der Lux & Umbra-Linie und allein diese Tatsache macht mich weitaus mächtiger als dich. Du sollst in den Teil unseres Landes verbannt sein, der als unbewohnbar gilt. Nimm deine abscheulichen Kreaturen und verschwinde dorthin! Niemandem von ihnen soll es länger gestattet sein, die Liwanag Gilid zu betreten. Keinem der Wesen der Gilid Kadiliman soll es je wieder möglich sein, in die neue Welt zu wechseln und die Menschen zu quälen. Ohne sie wirst du zu keinerlei Gräueltaten mehr fähig sein.«
Die Aura um Sephora schien zu explodieren und ihre Helligkeit drängte den jungen Mann und sein Gefolge in die Gilid Kadiliman. Ungläubig und wütend starrte er auf die Frau, die mit hoch erhobenen Armen die Worte sprach, welche die Prophezeiung besiegelten. Er spürte, wie eine unsichtbare Macht ihn tiefer in die Dunkelheit der finsteren Seite des Reiches hineinzog. Wie das Licht von Sephora ihn weiterschob, bis er die Grenze überschritten hatte und sich eisige Kälte um ihn legte. »Sephora!«, schrie er. »Das wirst du bereuen. Ich werde einen Weg finden, um deine Verheißung zu brechen oder sie zu umgehen. Du wirst meine Rache spüren und all deine Nachkommen ebenfalls.« Mit diesem erbitterten Gelübde drehte er sich um und schritt von selbst in die Abgründe des ihm neuen Landes. Hinter ihm verdorrten die wenigen Pflanzen, die sich halten konnten und der Boden schien noch karger zu werden – noch totbringender.
Nach wenigen Minuten war er aus Sephoras Blickfeld verschwunden und Stille bedeckte das Land. Ihre Aura zog sich zurück, beruhigte sich und war bald nur noch ein schmaler, heller Schein.
Langsam trat sie den Rückweg zu ihrem Palast des Lichtes an. Mehr konnte sie vorerst nicht tun, aber diese Prophezeiung würde für lange Zeit Schutz über die Menschen in der neuen Welt bringen. Hüter zögen in die alte Welt ein und fänden den Tod. Es kämen Erdbewohner hierher, Frauen wie sie, die stets dafür sorgen würden, dass die Voraussage erhalten bliebe. Deren Preis wäre ein ewiges Leben in dieser Sphäre. So sollte es nicht sein, der Kreislauf der Natur würde dadurch empfindlich gestört werden. Bis die eine erschiene, welche die Verheißung erfüllen könnte. Dann begönne das Spiel erneut ... Sephora seufzte und schloss die gigantische Pforte hinter sich.