Susann Julieva - Café der Nacht

Verfügbare Formate

Taschenbuch

Verlagdead soft
ErschienenJanuar 1970
ISBN-103944737245
Seitenanzahl328
Preis13,95 €

eBook

Verlagdead soft
ErschienenJanuar 1970
ASINB00GO43P44
Seitenanzahl328
Preis5,99 €

Inhaltsangabe

Zwanzig Jahre nach seiner Schließung ist das legendäre „Café der Nacht“ in Vergessenheit geraten. Einst war es kreative Keimzelle einer Aufsehen erregenden Künstlergemeinde, die Ikonen hervorbrachte, wie den genialen Schauspieler Dean Monroe, der viel zu jung verstarb.

Als Maxim die mysteriöse Nachricht erhält, dass er neuer Besitzer des Cafés werden soll, beginnt eine aufregende Reise zurück in seine Vergangenheit, in der er mit alten Freunden, vor allem aber mit der Erinnerung an Monroe, seiner großen, unerfüllten Liebe konfrontiert wird. Je tiefer Maxim gräbt, um den Rätseln des Cafés der Nacht auf die Spur zu kommen, desto stärker wird ein unglaublicher Verdacht: Ist Monroe vielleicht gar nicht wirklich tot und war sein frühes Ableben nur inszeniert? Gibt es am Ende für ihre Liebe eine zweite Chance?

Leseprobe

Monroe lehnte sich lässig an die Hauswand und ließ sich auf den kalten Boden hinabgleiten. Vorsichtig, nach wie vor in Alarmbereitschaft, ging Maxim neben ihm in die Hocke. Monroe schloss seine tiefgrünen Augen und lehnte den Kopf in den Nacken, gegen die Wand. Maxim blieb regungslos an seiner Seite und betrachtete ihn stumm. Einmal mehr suchte er Vida in den unrasierten, markanten Zügen, doch vergebens. Vida war anders, in jeder kleinsten Bewegung. In den Augen. In der weichen Biegung seines Halses zeichnete sich Monroes Adamsapfel ab.

Sie saßen lange still, bis Maxim die Beine einzuschlafen begannen. Da öffnete Monroe unvermittelt einen Spalt breit die Augen und seufzte leicht. „Ich weiß, Meinig. Das war ’ne blöde Aktion.“

Maxim hatte nichts gesagt, aber gedacht hatte er es allemal. Monroe lächelte schief, fast bitter in sich hinein. Er sprach langsamer als gewohnt, als müssten sich die Worte erst durch einen dichten Schleier hindurchkämpfen. „Sie hat was Besseres verdient. Haben sie alle.“

Maxim wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Hier hockte er, keine Hand breit entfernt von einem ihm völlig unbekannten Monroe. Nach seinem zerstörerischen Vulkanausbruch an Temperament wirkte er nun eigenartig, fast gespenstisch ruhig. Er schien langsam von seinem High runterzukommen. Maxim hatte ihn nie so düster erlebt. „Nona ist ziemlich verliebt in dich“, meinte er schließlich leise. „Ist dir das egal?“

Monroe zuckte halbherzig die Schultern. „Warum soll ich ihr was vorspielen?“

„Sollst du auch nicht. Aber ein klein wenig Feingefühl ...“

Monroe quittierte seine Worte nur mit einem finsteren Grinsen, das Maxim abbrechen ließ. „Warum tust du all diese Dinge?“

„Warum tust du überhaupt nichts, du Schlappschwanz?“ Und prompt wieder eine Löwenkralle in Maxims Fleisch. Obwohl ihm kurz der Atem stockte, durchschaute er das Manöver sofort.

„Genau das meine ich. Das war ein netter Versuch, mich zu verscheuchen und mir eine Antwort schuldig zu bleiben.“

„Du bist gar nicht mal so dämlich.“ Monroe grinste leicht, die glasigen Augen ins Leere gerichtet.

„Das merkst du erst jetzt?“ Maxim verließ seine Hockstellung und setzte sich neben ihm nieder. Sein Hinterteil wurde schnell taub vom eisigen Pflaster, doch er ignorierte es. Die zarte Feuchte der Nacht lag auf den Steinen. Er genoss es, Schulter an Schulter mit dem anderen zu sitzen und schweigend in den schwarzen Nachthimmel hinaufzustarren. Er konnte die Hitze spüren, die von Monroes verschwitztem Körper ausging, und wie sie in seinen hinüberwanderte. Es kribbelte in ihm. Minuten verstrichen in überraschend einträchtigem Schweigen.

Unvermittelt drehte Monroe den Kopf zu ihm und betrachtete eingehend seine Züge. „Hey“, sagte er leise, und seine Stimme klang sanft.

„Hey“, antwortete Maxim und lächelte zurück, während seine Arme sich unwillkürlich mit Gänsehaut überzogen. Monroes warmer Atem kribbelte auf seinem Gesicht, roch nach Alkohol und Zigaretten. Es störte ihn nicht. Da war etwas in seinen Augen ... verloren. Monroe sah so jung aus im blauen Gewand der Nacht. Wunderschön, als ob er nur zum Teil in die Menschenwelt gehörte. Maxim fühlte, wie sich unwillkürlich sein Magen vor unbestimmter Sehnsucht zusammenkrampfte. Er wünschte plötzlich, etwas würde passieren, Monroe würde die Hand ausstrecken, ihn heranziehen, ihn berühren. Er starrte für einen Moment auf seine schönen, weichen Lippen. So nah. Herzklopfen, wild und heftig.

Monroe lehnte sich ein wenig näher zu ihm. Er sah Maxim mit einem seltsamen Lächeln in die Augen, fast ein wenig traurig. Maxim war heiß vor Verlangen, ganz erfüllt von dem plötzlich übermächtigen Wunsch, mit Monroe zusammen zu sein. Alles kribbelte, als würde Strom über seinen Körper fließen. In Monroes Augen stand eine bislang unbekannte Zärtlichkeit, und gleichsam fast erschreckend tiefe Leidenschaft. Nur ein klein wenig näher noch, und ihre Lippen würden einander berühren. Die Anspannung brachte ihn schier um, ihm war egal, was danach geschah, ob der andere ihm das Herz brechen würde. Nur hier und jetzt, nur heute Nacht. Nur ein einziges Mal mit ihm zusammen sein. Leben. Sich fallen lassen.

Monroe blinzelte. Als würde er aus einer Trance erwachen, begreifen, was er im Begriff war, zu tun. Rasch sah er weg, in Sekundenschnelle wieder distanziert und unnahbar. Der Moment verstrich. Maxim schloss die Augen, die Hitze verflog. Die Vertrautheit des Moments zerriss wie ein Spinnennetz im Wind, wehte davon. Gerade noch mal davongekommen.
Maxim war schwindelig bei dem Gedanken daran, was er gerade eben fast hätte geschehen lassen, und doch saß die Enttäuschung tief. Monroe wollte ihn nicht, würde ihn nie wollen. Was immer gerade zwischen ihnen vorgegangen war, er war high, er war nicht er selbst gewesen. Und doch fühlte es sich an, als wäre genau das Gegenteil der Fall gewesen. Als wäre er drauf und dran gewesen, die Mauer, die ihn umgab, einzureißen und Maxim einzulassen. Maxim sah in den Himmel hinauf und schnaubte leise über seine Einfältigkeit. Sicher bildete er sich das alles nur ein. Wunschdenken. Er musste aufhören mit diesem Unsinn, oder es würde ihm wirklich ergehen wie Nona. Dennoch blieb eine nie gekannte Leere, ein vages Sehnen zurück. Und ein verwirrtes, viel zu schnell pochendes Herz.