Theresia Graw - Mit Hanna nach Havanna

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Taschenbuch

VerlagBlanvalet
ErschienenFebruar 2018
ISBN-103734104408
ISBN-139783734104404
Seitenanzahl384
Preis9,99 €

eBook

VerlagBlanvalet
ErschienenFebruar 2018
ASINASIN: B071
Preis8,99 €

Inhaltsangabe

Eine junge Frau + eine alte Dame + ein rosa Cadillac = das verrückteste Abenteuer ihres Lebens!

Katrin, Mitte dreißig und Journalistin mit Ambitionen, ist stolz darauf, immer alles fest im Griff zu haben – bis ihr Chef ihr mitteilt, dass sie in Zukunft das wenig prestigeträchtige Seniorenmagazin des Senders moderieren wird. Sie ahnt nicht, dass eine der Zuschauerinnen ihr wohlorganisiertes Leben bald schon restlos auf den Kopf stellen wird. Johanna ist auf der Suche nach ihrer ersten großen Liebe – die sie auf Kuba vermutet. Und sie will Katrin als Reisebegleitung engagieren. Hitze, Salsa und Cuba libre? Nein danke, denkt sich Katrin. Und ist doch kurz darauf auf dem Weg in das turbulenteste Abenteuer ihres Lebens …

Leseprobe

KAPITEL 11

(...)
"Eine großartige Stimmung hier, nicht wahr?“ Hanna hatte sich auf einen Barhocker gesetzt, der hinter ihr gerade frei geworden war, und wippte im Takt der Musik mit ihrem Fuß. „Da bekommt man richtig Lust zu tanzen! Machst du mit?“
"Ich? Um Himmels willen, nein. Wieso sollte ich tanzen?“
Schließlich war ich keine Hopi-Indianerin. Tanzen – dabei handelte es sich doch um völlig überholte Rituale indigener Urvölker. Ich war ein zivilisierter Mensch, ich hatte weder vor, die Götter um Regen zu bitten, noch irgendwelche Geister zu vertreiben. Und irgendjemanden anbalzen wollte ich schon gar nicht. Warum also sollte ich mich solchen albernen rhythmischen Verrenkungen hingeben?
So ähnlich erklärte ich es Hanna.
"Na, weil’s Spaß macht.“
"Es macht doch keinen Spaß, mit dem Hintern zu wackeln! Und schon gar nicht, wenn alle Leute zugucken.“
"Och, mir würde das schon Spaß machen. Gerade, wenn alle Leute zugucken. Und wenn ich dabei ein paar böse Geister vertreibe, ist es mir nur recht.“
Hanna lachte, wippte weiter mit dem Fuß und nuckelte am Strohhalm ihres Mojitos, während sie den Blick unternehmungslustig durch den Raum schweifen ließ. Ich konzentrierte mich auf mein Mineralwasser und versuchte die beiden jungen Männer zu ignorieren, die sich – wie ich mit wachsender Beunruhigung feststellte - von der anderen Ecke des Cafés aus einen Weg zu uns herüber bahnten. Der eine war etwas älter, der andere etwas jünger als ich, Ende dreißig und Ende zwanzig vielleicht. Beide waren sehr schlank und sehnig und durchaus attraktiv mit ihrer nougatfarbenen Haut und den schwarzen Locken. Sie kamen lächelnd auf uns zu, ohne uns aus dem Blick zu lassen. Ich befürchtete das Schlimmste, und genau das trat ein.
"Hola, buenas tardes, Señoras. Ihr seht so aus, als suchtet ihr jemanden zum Tanzen“, sagte der ältere, halb auf Spanisch, halb auf Englisch und machte eine Geste, die vermutlich einladend gemeint war. „Bitte schön.“
Ich verschluckte mich vor Schreck beinahe an meinem Mineralwasser.
"Äh …“, entfuhr es mir. Aber noch bevor ich „Nein danke, wir tanzen nicht“ sagen konnte, war Hanna schon mit einem begeisterten Quieken von ihrem Barhocker gerutscht.
"Nichts lieber als das!“ rief sie, setzte sich den Strohhut mit Schwung auf den Kopf, ergriff die Hand des Älteren und machte sich wippend und wogend mit ihm davon auf die kleine Tanzfläche. Dort wirbelte sie herum, als wollte sie die Geister und Götter nicht nur um ein bisschen Regen bitten, sondern gleich um einen tropischen Hurrikan.
Seufzend stand ich neben der Bar. Der andere Mann sah mich aufmunternd an.
"Tanzen?“, fragte er noch einmal und lächelte dabei mit seinen unglaublich strahlend weißen Zähnen.
Niemals. Nur über meine Leiche. Aber mir fiel gerade nicht ein, wie das auf Englisch hieß, und auf Spanisch wusste ich es noch weniger. Deshalb schüttelte ich bloß erschrocken den Kopf.
"Ich bin Matteo“, fügte er noch hinzu, was die Sache nicht besser machte.
"No“, sagte ich endlich. „No, gracias. No quiero bailar. No dancing today.“
Das Lächeln in seinem Gesicht verflachte etwas. Aber er gab nicht auf.
"Nur ganz kurz“, sagte er beinahe flehend. „Nur ein Tanz, bitte.“
Herrje, ich hasste Tanzen nun mal. Jede Art von Tanzen. Am allermeisten aber diesen dämlichen Salsa. Dieses „Guck-mal-wie-sexy-ich-bin-Hüftschwenken“. Homo Sapiens auf der Balz wie ein südaustralischer Leierschwanz. Nein, danke. Einfach nur peinlich. Vor allem, wenn man kein karibischer Ureinwohner ist, dem das Tanzen möglicherweise im Blut liegt, sondern eine blasse, stocksteife Mitteleuropäerin, die nicht über dieses spezielle karibische Salsa-Gen verfügt. Entsetzlich. Furchtbar. Indiskutabel.
Ich hatte leider keine Idee, wie ich Matteo das in aller Höflichkeit klarmachen sollte.
(...)
Sekunden später tanzte ich Salsa. Beziehungsweise was ich dafür hielt. Es war grauenhaft. Matteo war zwar vermutlich ein ausgezeichneter Tänzer (so geschmeidig, wie er sich bewegte, trug er ganz sicher das karibische Salsa-Gen in sich, wenn nicht sogar mehrere), und er versuchte sein Bestes, damit ich einigermaßen im Rhythmus blieb. Er hatte angenehm warme, trockene Hände und schob mich – erheblich enger an sich gedrückt, als mir lieb war – kreiselnd durch den Raum. Ich versuchte, ihn durch den energischen Einsatz meines Ellbogens auf Abstand zu halten, was mir nur mäßig gelang. Meinen letzten und einzigen Tanzkurs hatte ich vor vielen Jahren absolviert, und das nur auf Drängen meiner Eltern hin („So was gehört einfach dazu, wenn man fünfzehn ist“). Damals hatte ich allerdings nur Standards wie Walzer und Foxtrott gelernt – und die aufgrund geringen Interesses und mangelnder Praxis längst wieder vergessen. Es nun also spontan mit so etwas Abenteuerlichem wie Salsa zu versuchen, war verheerend. Ich stolperte nonstop über meine und Matteos Füße und noch über die einiger anderer Leute, die mir in die Quere kamen. Von der Anmut und Grazie eines balzenden Leierschwanzes war ich weit entfernt. Ich keuchte und schwitzte nach zwei Minuten wie ein genmanipuliertes Hochland-Gorillaweibchen. Wahrscheinlich klebte meine Wimperntusche inzwischen überall, nur nicht mehr an den Wimpern, und was heute Morgen noch eine Frisur gewesen war, ähnelte jetzt vermutlich einem ausrangierten Wischmopp.
(...)
Immerhin hatte die Band bald ein Einsehen. Wahrscheinlich ertrugen die sieben Jungs den Anblick meines bemitleidenswerten Herumgestampfes nicht mehr und machten nach zwei Musikstücken eine Pause. Es war der schönste Moment des Abends. Matteo begleitete mich zurück zur Bar, wo mich Hanna glücklich lächelnd empfing.
"Herrlich, so ein Salsa, nicht wahr? Hach, im vorigen Sommer habe ich noch eine neue Hüfte bekommen, und heute tanze ich schon wieder wie eine Göttin!“