Heike Schulz - Die Autorin über sich

Heike Schulz, Jahrgang 1968, lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter, ihrem Sohn und einigen Haustieren in der Nähe von Köln.
Die studierte Bekleidungstechnikerin hat in ihrer Freizeit jahrelang multikulturelle Jugendfußballmannschaften trainiert und in der Betreuung eines Jugendtreffs gearbeitet. Derzeit ist sie als Betreuungskraft der Caritas am Schulzentrum ihrer Heimatstadt tätig.
Wenn sie nicht gerade schreibt oder liest, wandert sie zumeist durch die freie Natur oder durchstöbert Mittelaltermärkte.

Okay, das war der offizielle Teil. Kommen wir nun zu dem, was sich dahinter verbirgt.

Zunächst sah es nämlich nicht danach aus, dass aus mir mal ein Schreiberlein wird. Ich ging brav zur Schule, besuchte im Anschluss daran die Höhere Handelsschule, wurde Bekleidungsnäherin und studierte später Bekleidungstechnik, aber heute glaube ich, dass alles tat ich nur, um herauszufinden, was ich NICHT wollte.

Ich wollte keine Industriekauffrau werden. Ich wollte nicht mein Leben lang an einer Nähmaschine sitzen und mir meine Träume im Akkorddruck weg-monotonisieren (wer jemals im Akkord bei 35 Grad Samtröcke zusammengenäht hat, weiß, wovon ich spreche), und mit dem Zirkus der Eitelkeiten, wie man ihn auf jeder Modenschau erleben kann, konnte ich mich nicht identifizieren. Trägt man nächste Saison jetzt A, H oder V-Linie? Wohin mit dem Rocksaum? Übers oder unters Knie? Kommen die Schulterpolster (würg) wieder? Und überhaupt, was sagen Mailand, Paris und London dazu? Oder sollen wir eher nach Tokio schauen?

HÄ???

Das war nicht ich!!!! Also sagte ich nach dem Studium meiner Karriere als Bekleidungstechnikerin Lebewohl. Pech für Mailand, aber – jetzt mal unter uns – die Modewelt hat an mir keinen großen Verlust erlitten.
Stattdessen setzte ich das fort, was ich schon als Kind am liebsten gemacht habe, nämlich Geschichten finden. Und die finde ich überall: in meinen Wanderstiefeln, in Nebeln aus Styrax, auf einem Tätowierstuhl, auf dem Grund des Meeres und jenseits der Zeit. Ich muss sie nur aufschreiben, wobei "nur" ein bisschen geschmeichelt ist, wie jeder weiß, der schon mal mehrere Tage lang auf ein weißes Blatt Papier gestarrt hat. Dabei helfen mir ein optimistischer Python, eine bipolare Katze, vier altkluge Schildkröten und noch ein paar andere Mitbewohner.