Jeanette Sanders - Die Autorin über sich

Es passierte am 17.Mai 1956 in Straubing an der Donau. Ein knappes Viertelstündchen vor Mitternacht kam ich zur Welt. Und damit begann der Ärger.

Erst musste ich in die Schule und dann auch noch - mit zarten 19 - Abitur machen. Und mich für ein Studium entscheiden. Natürlich wählte ich das falsche Fach. Lebensmittelchemie. Eine exakte naturwissenschaftliche Ausbildung an der TU München. Und das bei meinem angeborenen Chaotismus.

Irgendwie aber schlängelte ich mich so durch und bestand sogar die beiden vorgeschriebenen Staatsexamen. Hinterher sagte ich der Chemie "Adieu" und entschied mich gleich ein zweites Mal falsch in diesem Leben.

Ich absolvierte eine Zusatzausbildung zur »EDV-Fachfrau für naturwissenschaftliche Anwendungen«. Frei nach dem Motto: "Schlimmer geht immer …"


Hätte ich bloß auf mein inneres Stimmchen gehört! Das hatte mir nämlich schon seit vielen Jahren einen Wurm ins rotblonde Köpfchen gesetzt: »Schreiben ist dein Ding, Mädchen. Du hast kein wirkliches Talent für Formeln und mathematische Kurvendarstellungen. Du hasst das ganze Gezeugs doch. Außerdem willst du reisen, die Welt sehen, ständig neue Menschen und Dinge kennen lernen. Obendrein bist du eine Leseratte, die Bücher frisst. Du platzt bald vor Einfällen und Geschichten. Beim Schreiben fühlst du dich lebendig, herausgefordert, kreativ und glücklich. Pack es an, das Leben ist kurz.«

Ich ließ mich trotzdem einige Jahre lang in der Computerbranche stressen …

Aber dann, eines Tages, war es doch soweit. Der Job wurde gekündigt, das winzige Arbeitszimmer in München-Schwabing mit einem PC ausgestattet - und dann ging es los. (Okay, okay - ich hatte zu der Zeit einen gut verdienenden Ehemann, der großzügigerweise versprach, mich nicht verhungern zu lassen, wenn ich im Gegenzug bereit wäre, mich in Zukunft um den Haushalt und seine zu bügelnden Hemden alleine zu kümmern. Einen kleinen Nebenjob braucht schließlich fast jeder (Schreib-)Künstler, nicht wahr?)

Das Glück war mir hold, und so verkaufte ich bald die ersten romantischen Liebeskurzromane an Zeitschriften wie Romanwoche, Frau mit Herz, Bella, Auf einen Blick, TV Hören und Sehen, um nur einige zu nennen. Ich legte mir gleich mehrere Pseudonyme zu, damit ließ sich die Ausbeute prima steuern, respektive erhöhen. Damals, in den Goldenen Neunzigern.

Dann entdeckte ich auch noch die Erotik für mich. Sprich: ein netter Redakteur bei der Neuen Revue fand meine eingesandten Kurz-Erotikromane so ansprechend, dass er mir bis zu seiner Pensionierung einige Jahre später beinahe jedes Manuskript abkaufte, das ich einsandte.

Und weil das alles so wunderbar lief und auch mein Kontostand wieder deutlich schwarze Zahlen aufwies, fasste ich mir ein Herz und begann - so nebenher - mit dem ersten Buch. Nicht einmal meinem Gatten verriet ich davon ein Sterbenswörtchen.

15 Monate und 320 Seiten später war es dann soweit.

Ende

… und ein neuer Anfang zugleich.

"Versprich mir, mich nie zu heiraten" wurde im November 97 von einer Lektorin im Rowohlt- Wunderlich-Verlag "entdeckt". Der Vertrag trudelte noch vor Weihnachten ein, und ich hatte am ersten Weihnachtstag einen schrecklichen Kater. Woran ganz eindeutig eine Flasche Champagner schuld war.

Es dauerte dann allerdings noch ein ganzes Jährchen, nämlich bis zum November 98, bis das Büchlein endlich auf dem Markt war. Zwischenzeitlich war der Roman auf 180 Seiten geschrumpft, auf Wunsch des Verlages. Herstellungskosten, sagte man mir. Und ich setzte mich wieder an den Computer. Zum Umschreiben.

Was tut der schreibende Mensch nicht alles, um gedruckt zu werden, seufz …

Es war dann so ein bisschen wie beim Kinderkriegen. Kaum war das erste da, folgten auch schon zwei weitere wie die Orgelpfeifen. Ich war anscheinend auf den Geschmack gekommen!