Michaela Thewes - Die Autorin über sich

Als Autorin wird man häufig gefragt, wie man zum Schreiben gekommen ist. Ich schätze, die Wurzeln dafür liegen in meiner Kindheit: Als ich vier Jahre alt war, bekam ich zum ersten Mal Besuch von meiner Freundin Alatsch aus Berlin. Ich weiß bis heute nicht, welcher Nationalität sie angehörte oder wie man ihren Namen richtig schreibt, denn Alatsch war ein reines Phantasieprodukt. Alatsch und ihr schlecht erzogenes Puppenkind lud ich immer dann ein, wenn meine anderen Freundinnen (die existierten wirklich!) Stubenarrest hatten, krank oder in Urlaub waren. »Ist es nicht wunderbar, wie viel Phantasie das Kind hat«, überschlugen sich Verwandte und Bekannte vor Begeisterung, wenn ich ihnen meine fiktive Freundin vorstellte. Gott sei Dank genießt man mit vier Jahren noch Welpenschutz. Wäre ich etwas älter gewesen, hätte man wahrscheinlich hinter vorgehaltener Hand gemunkelt: »Die tickt ja wohl nicht mehr ganz richtig.«

Mit so viel Phantasie gesegnet, eröffneten sich mir außergewöhnliche Möglichkeiten: Ich hätte mit Wahnvorstellungen in der Klinik oder als Schwindlerin und Betrügerin im Knast landen können. Beides nicht besonders reizvoll. So gesehen war die Schule meine Rettung: Denn nachdem ich das große und das kleine ABC gebüffelt und mir in 13 Schuljahren eine gewisse Geschicklichkeit beim Aneinanderreihen der Buchstaben und Wörter angeeignet hatte, begann ich nach einer Verlagsausbildung zu schreiben. Und stellte, oh Wunder, fest, dass das nicht nur jede Menge Spaß macht, sondern dass man damit sogar seine Brötchen verdienen kann. Heute verfasse ich Kolumnen, Werbetexte, Geschichten für Kinder und seit kurzem auch Romane. Jetzt, wo Sie die Vorgeschichte kennen, werden Sie mir sicher Recht geben: Es hätte weitaus schlimmer kommen können …