Rebecca Stephan - Die Autorin über sich

Es war nie mein Wunsch, Autorin zu werden, Ich war glücklich beim Hessischen Rundfunk und dachte, da bleib ich für immer. Aber dann habe ich mich eines Abends hingesetzt und einfach angefangen – im Sender sind oft so chaotische Dinge passiert, die wollte ich verwursten. Und so fing es an. Irgendwann begann die demütigende Suche nach einem Verlag. Die Krönung: Die Mail eines Lektors, der schrieb, ich solle das Manuskript in den Papierkorb schieben und nicht vergessen, den anschließend auch zu leeren. Der letzte Verlag, der wirklich letzte Verlag, dem ich das Buch schickte – Fischer – hat’s dann genommen und ich war fassungslos. Immer wieder hab ich dort angerufen, um mir bestätigen zu lassen, dass es sich auch wirklich um meinen Text handelt.
„Fremd küssen“ kam im Sommer 2003 raus und wurde „total gern genommen“, was mich überrascht und gefreut hat. Beim Radio war ich da schon nicht mehr, sondern lebte in Hamburg, und ich beschloss, nur noch zu schreiben, was bis heute ganz gut funktioniert.
Ich wohne gern hier, aber ich muss zugeben, dass ich mein Hessen hin und wieder doch sehr vermisse. Seit Neuestem mache ich mir hin und wieder Handkäs mit Musik, lasse den gut durchziehen – dazu eine Scheibe Brot mit Butter, göttlich!
Ich besticke gern alles mögliche mit Sprüchen und Biedermeier-Blumen und versorge auch meinen Freundeskreis damit. Ob sie das wirklich gut finden, weiß ich nicht, aber sie tun so. Es wäre ja auch unhöflich, eine bestickte Serviette zurückgehen zu lassen.
Und ich kann immer wieder die alten 80er-Familienserien anschauen (Ich heirate eine Familie, Die Wicherts von nebenan, Diese Drombuschs), und natürlich Fackeln im Sturm, ja, ich stehe dazu, auch Die Dornenvögel zu lieben.
Ansonsten liebe ich meinen Mann und meinen Sohn, ich liebe es, auf dem Wasser zu sein, zu ankern und ins Meer zu hüpfen, wenn es nicht zu kalt ist, ich liebe es, an Weihnachten zu backen und dabei einen guten Rotwein zu süffeln und ich liebe es, dass ich mich in der privilegierten Situation befinde, morgens einfach noch zwei Stunden im Bett liegen zu bleiben, wenn es regnet, zu lesen, Kaffee zu trinken und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.
Herrlich, das!