Beate Rygiert - Herzensräuber

Verfügbare Formate

Taschenbuch

VerlagBlanvalet
ErschienenJuli 2017
ISBN-109783734104243
Seitenanzahl382
Preis9,99 €

Inhaltsangabe

Tobias’ Buchantiquariat läuft nicht besonders gut, noch dazu hat er gerade eine schmerzliche Trennung hinter sich. Als er im Urlaub einen liebenswerten spanischen Straßenhund aufliest, beschließt er kurzerhand, ihn mit nach Heidelberg zu nehmen. Wie sich herausstellt, hat Zola die Gabe, für jeden Menschen die richtigen Bücher zu finden – denn in jedem »Herzensräuber« erschnuppert er die Gefühle, die die bisherigen Leser darin hinterlassen haben. So bringt er nicht nur Tobias’ Geschäft auf Vordermann, sondern nach und nach auch dessen chaotisches Liebesleben …

Leseprobe

Mein neuer Mensch geht mit mir zu Pepes Strandbar. Unerschrocken folge ich ihm zu einem der Tische und lege mich ihm zu Füßen, schlage die Vorderpfoten übereinander und bette betont gelassen meinen Kopf darauf. In dieser Position verfolge ich aus halb geschlossenen Lidern, wie Pepe mit gerunzelter Stirn zu uns herüberstapft. Er duldet keine Hunde in seinem Cafébereich, und ohne meinen neuen Menschen hätte ich mich nie im Leben hierhergewagt. Er ist nicht gut auf Tschakkos Meute zu sprechen, und das kann ich ihm auch nicht verdenken. Doch ich gehöre nicht zu denen, eigentlich müsste er das sehr wohl wissen, schließlich haben mein erster Mensch und ich ihm viele Jahre lang die Post gebracht.
Pepe baut sich vor mir auf und stemmt die Fäuste in die Seiten. Ohne auch nur den Kopf zu heben, bohre ich ihm meinen schönsten Blick in die Pupillen. Erinnerst du dich nicht mehr?, denke ich eindringlich. Ich bin ein guter Hund. Wir haben dir deine Briefe gebracht!
Es wirkt: Pepe hält inne und stutzt. Er öffnet zwar den Mund, doch ehe er etwas sagen kann, spricht mein neuer Mensch:
"Wasser für den Hund, bitte", sagt er. " Café con leche und eine Tostada für mich".
Pepe klappt den Mund wieder zu. Er wirft mir noch einen drohenden Blick zu, dann verschwindet er in der Küche. Welch ein Sieg! Doch ich bleibe auf der Hut.
Als Pepe den Kaffee bringt und mir einen Eimer voll Wasser vor die Schnauze knallt, der nach eingelegten Oliven stinkt, wird er auf einmal gesprächig.
"Das ist der Hund von unserem Postboten", erklärt er meinem neuen Menschen, während sein Lappen ein paar Krümel vom Tisch fegt.
"Ach", sagt der, und seine Stimme klingt enttäuscht, "er hat also doch ein Zuhause?"
Pepe betrachtet mich nachdenklich, schüttelt den Kopf und kratzt sich hinterm Ohr.
"No Señor", sagt er betrübt. "Felipe ist tot. Im Frühjahr gestorben."
Beim Klang seines Namens wird mir schwer ums Herz. Ich kann nicht anders, ich lasse die Ohren hängen und fühle wieder mein ganzes Elend.
"Das heißt", sagt der neue Mensch entsetzt, "solange schon lebt der arme Hund am Strand? Kein Wunder ist er so dürr".
Das ist Pepe nun doch zu viel.
"Hunde können selbst für sich sorgen", sagt er barsch und räumt scheppernd eine leere Tasse vom Nachbartisch, dass ich zusammenfahre. Menschen können so grob sein. Und ständig machen sie einen solchen Lärm.
Sag, denke ich, so intensiv ich kann, in Pepes breiten Rücken hinein, dass ich ein guter Hund bin. Sag ihm, dass er mich ruhig aufnehmen kann.
Und wirklich, Pepe hält inne, wendet sich um und sagt: "Aber wenn Sie einen Hund gebrauchen können, Señor, dann machen Sie mit dem hier keinen Fehler."
Sag es!, beschwöre ich ihn stumm.
"Er ist ein guter Hund!", tönt es tatsächlich aus Pepes Mund. Und wenn ich nicht wüsste, wie verschreckt die Menschen darauf reagieren, würde ich jetzt vor Glück heulen wie ein Wolf.